Die Geschichte ­
des Ullmannlehen 

Im Salzburger Lehenbuch II von 1427/29 und im Lehenbuch III von 1434 f. lautet die Eintragung: „…ein Gut, heißt auf der Stuhlau…“( der älteste Namen des Gutes). Der Gutsherr als Großgrundbesitzer im Südteil des Gasteinertales war ursprünglich Haug von Goldegg und um 1427 Afra Speher, verehelichte von Weispriach. Um 1442 taucht erstmals der Name eines „Grundholden“ (eine Art Pächter) auf dem Gut auf: „Paul auf der Stuhlau“. 1456 wird ein neuer Grundherr genannt. Es ist nach der abgetretenen Afra Speher/Weispriach nun der vermögende Landadelige Jörg von Haunsperg, der auch ansonsten in  Gastein reich begütert war. Von seinen „Stuhlauer“ Grundholden sind vier genannt: Christanin, Tuscher, Jackl und Andree. Zu diesem Zeitpunkt scheint es vier „Stuhlau“- Güter gegeben zu haben. 1466 führen die Haunsperger unter ihren Gasteiner Besitzen neben anderen Gütern nicht weniger als sechs Güter „zu Stuhlau“ an. Der Bereich zwischen dem heutigen Nussdorfer-Hof in Bad Gastein und dem heute so genannten Bauernhof-Gasthof „Mühlradl“ (Schafflinger), auf der rechten Achenseite, führte den Namen „Stuhlau“ und war mit sechs Gütern besetzt (Lehenbuch 5, 1466). 1497 ist im großen Personenverzeichnis der in diesem Jahr eingehobenen „Reichssteuer“ erstaunlicherweise nur ein einziger Mann genannt: Ulrich ob der Stuhlau. Dies könnte damit zusammenhängen, dass die Stuhlau immer unter Hochwässern zu leiden hatte und schon damals hinsichtlich Steuerleistungen begünstigt war, sodass nur ein einziger Bauer zahlen musste … oder zahlen konnte. Auch solche Fälle gab es bei der Reichssteuer. Im Folgenden wird nur mehr die „Minder-Stuhlau“ besprochen – nicht die weiter südlich gelegene „Mehrer-Stuhlau“ (heute Schafflinger). Die Namen-Bestimmungswörter „mehrer“/größer und „minder“/kleiner scheinen eine Gasteiner Eigenheit zu sein. Es gibt sie auch für die Kötschau und die Hirschau.

Für das Jahr 1590 sind die Namen zweier Grundholden überliefert. Auf dem ersten Gut Minder-Stuhlau, dem heutigen Ullmann, saß als wirtschaftender Grundholde ein gewisser Christan Rücker, auf dem Zweiten Gut Minder-Stuhlau saß Laurenz Resch der Jung‘. (Lehenbuch 14, 1590 ff.) Näheres ist erst aus dem Jahr 1776 überliefert. In der Zwischenzeit erlebte das Ullmann-Lehen mehrfache Wechsel im Grundbesitz. Es gehörte wahrscheinlich zeitweise zu jenen Gütern, die dem damals neuen Loreto-Kloster in der Stadt Salzburg (heute Paris-Lodron-Straße 6) Abgaben leisteten. Ab 1753 übernahm das Fürsterzbistum Salzburg den Besitz und verwaltete ihn über das sogenannte „Hof-Urbar“.

Aus einem Steuer-Kataster, der 1776 für das Fürsterzbistum Salzburg unter Erzbischof Hieronymus Colloredo angelegt wurde, ist zu entnehmen: Das Erste und das Zweite Gut Minder-Stuhlau bewirtschaftete („besaß“) ein gewisser Andree Oisternig, auch Eusternig und Eisternigg geschrieben, der aus Oberkärnten eingewandert war und den diesbezüglichen Kaufvertrag um 1771 abgeschlossen hatte.

Um 1730 wurde das Gesamt-Gut einschließlich des Viehbestands auf immerhin 1748 Gulden geschätzt. Der beamtete Schätzer meinte nun 1776, dass man es bei dem Schätzwert der 1748 Gulden von 1730 belassen könne, und zwar „in Rücksicht des kalten Orts, dann in Anbetracht der Wassergefahr, wegen der viele Werke‘ zu unterhalten sind.“ (Hieronyus-Kataster 561)
Bei den genannten „Werken“ ging es um Uferverbauungen an der Gasteiner Ache, die übrigens damals nicht geradeaus, sondern in weiten Bögen hin und her floss. Diese einfachen, aus Holz und Steinen gefertigten Wasserverbauungen mussten nach jedem Hochwasser erneuert werden. Der Andree Noisternigg war nicht nur (Pächter-)„Herr“ über die beiden Minder-Stuhlau Güter, sondern hatte, beispielsweise im Bereich der Haitzing-Großalm am Radhausberg mehrere Almrechte.

Das Jahr 1781 bringt erstmals einen Hinweis auf den Namen „Lukas“-Gut für das Ullmann-Lehen. Es wird eine Hütte und ein Scherm (meist offene Unterstandshütte) für die „Lukas Heimalm“ erwähnt. (Alpenbeschreibung 1781) Der Name geht mit Sicherheit auf den Vornamen eines früheren Besitzers des „Lukas“-Gutes zurück.
Der Name „Ullmann“ kommt im ältesten Schrifttum nicht vor und wird mit größter Wahrscheinlichkeit von einem späteren Besitzer Namens „Ullmann“ herstammen, vielleichtzwischen ca. 1600 und 1771.

Abschließend die Besitzerliste, die Sebastian Hinterseer erstellt hat. Demnach hatte das Lukas-Gut (Minder-Stuhlau, Ullmann-Lehen) folgende Besitzer:

Um 1756 den Hans Viehauser,
um 1763 den Ruepp Schattauer,
um 1771 den Andree Oisternigg/Eusternigg,
um 1781 den Johann Viehauser jun.,
um 1813 den Johann Hölzl, um 1831 den Joseph Rieser,
um 1835 den Johann Rieser und 1846 dessen Sohn,
um 1873 den Josef Rieser vom Patschgen,
um 1895 den Josef Schwaiger,
um 1898 die Maria Schwaiger,
um 1909 den Johann Stöckl,
am 28. Mai 1929 die Gemeinde Bad Gastein
und diese vermutlich durchgehend bis heute.

Das heutige Ullmann-Lehen ist zweifellos das wichtigste der ehemaligen Minder-Stuhlau Güter, da es an der Straße steht. Es reicht mit seinen ältesten Ursprüngen bis in dasJahr 1427 zurück, doch ist damit nicht gesagt,dass das Gebäude -als solches! – das gleiche Alter haben muss. Entscheidend ist der Standort, und der dürfte von allen (!) Stuhlau-Gütern der älteste sein, da er sich in mittlerer, um nicht zu sagen „zentraler“ Lage befand und befindet. Zwar nicht als Beweis, aber immerhin als sehr starkes Indiz dafür ist die Tatsache zu werten, dass von dort der wichtigste Almweg zu den Weideflächen auf den Patschg-Stuhl ausging. Noch im 17. Jahrhundert nehmen die Waldbeschreibungen auf diesen Ullmann- „Ur“-Weg Bezug (SLA, HK Waldsachen). Im Zuge der Bahnsanierung wurde das unterste Stück des Weges wieder begehbar gemacht.